Data Warehouse vs. Data Lake vs. Lakehouse: Welche Architektur trägt eure Workloads?

Die Kernaussagen auf einen Blick.
- Data Warehouse, Data Lake und Lakehouse sind drei unterschiedliche Ansätze, um Unternehmensdaten analytisch nutzbar zu machen.
- Das Warehouse liefert verlässliches Reporting auf modellierten Daten, der Data Lake speichert unterschiedliche Datenformen kostengünstig und flexibel, und in vielen Unternehmen führt diese Aufteilung zu zwei parallel betriebenen Systemen und zusätzlichen Datenkopien.
- Ein Lakehouse ergänzt offenen Objektspeicher um Transaktionssicherheit und verbindliche Schemaregeln, sodass BI, Data Science und Streaming auf einer gemeinsamen Datenbasis laufen.
- Empfehlenswert ist, die Architektur anhand der erwarteten Workloads auszuwählen und dafür zunächst die bestehenden Datenkopien und die zugehörigen Pipelines zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis
Warum die Architekturentscheidung Auswirkungen auf Datenkopien, Kosten und verlässliche Kennzahlen hat
Im Quartalsreview werden zwei aufeinanderfolgende Präsentationen gezeigt. Das BI-Team zeigt den Umsatz je Kunde aus dem Data Warehouse. Zwanzig Minuten später präsentiert das Data-Science-Team sein Abwanderungsmodell, gerechnet auf dem Data Lake, mit einem anderen Umsatz je Kunde. Beide Ergebnisse sind auf Grundlage des jeweiligen Datenstands nachvollziehbar. Das Warehouse wurde in der Nacht geladen, die Kopie im Lake am Wochenende. Anschließend muss geklärt werden, welcher Datenstand als verbindlich angesehen wird.
Diese Situation ist in historisch gewachsenen Datenlandschaften weit verbreitet: ein Warehouse für das Reporting, ein Lake für Data Science. Zwischen beiden Systemen übertragen Pipelines regelmäßig Datenkopien. Bei jeder neuen Anforderung muss erneut entschieden werden, in welchem System sie umgesetzt wird.
Brauchen wir das Warehouse noch, wenn der Lake längst alle Daten hält? Kann der Data Lake auch verlässliches Reporting unterstützen? Bietet das Lakehouse einen eigenständigen Architekturansatz oder lediglich eine neue Bezeichnung für bestehende Konzepte? Welche Architektur unterstützt BI, Data Science und Streaming auf einer gemeinsamen Datenbasis?
Die Entscheidung sollte sich an den benötigten Workloads und nicht an grundsätzlichen Präferenzen für eine bestimmte Technologie orientieren. Sobald die Workload-Frage beantwortet ist, lässt sich in einem gemeinsamen Workshop eine fundierte Vorauswahl der Architektur treffen.
Was unterscheidet Data Warehouse, Data Lake und Lakehouse?
Die Ansätze unterscheiden sich vor allem darin, wann Daten strukturiert werden und welche technischen Garantien sie bieten: Ein Data Warehouse setzt beim Laden ein zuvor definiertes Datenmodell voraus und liefert dafür verlässliche Auswertungen. Ein Data Lake kann Rohdaten unterschiedlicher Formate ohne vorherige Modellierung speichern und bleibt dafür günstig und flexibel. Ein Lakehouse kombiniert die Offenheit eines Data Lake mit wesentlichen Funktionen eines Data Warehouse.
Ein Data Warehouse ist eine zentrale, modellierte Datenbasis für strukturierte Auswertungen. Es arbeitet nach Schema-on-Write: Die Struktur der Daten steht fest, bevor sie geladen werden. Diese feste Struktur ermöglicht nachvollziehbare Kennzahlen und verlässliches Reporting. Neue Datenquellen erfordern jedoch häufig eine vorherige Anpassung des Datenmodells. Semi- und unstrukturierte Daten wie Logs, Texte oder Bilder passen schlecht in dieses Muster. Was das klassische Warehouse als Muster leistet und wo seine Grenze als alleinige Plattform liegt, führen wir im Überblick zum Data Warehouse aus.
Ein Data Lake speichert Rohdaten unterschiedlicher Formate auf offenem Objektspeicher, häufig in Dateiformaten wie Parquet. Er arbeitet nach Schema-on-Read: Die Struktur wird erst beim Auslesen interpretiert. Das macht ihn günstig und offen für Data Science, Machine Learning und große Datenmengen. Ohne zusätzliche Komponenten bietet er jedoch keine umfassende Transaktionssicherheit, verbindliche Schemaregeln oder zuverlässige Änderungsoperationen. Fehlen zudem klare Strukturen, Metadaten und Verantwortlichkeiten, geht die Übersicht über Aktualität und Qualität der Daten verloren; dieser Zustand wird als Data Swamp bezeichnet. Wie ein Data Lake aufgebaut wird und woran er als Reporting-Grundlage scheitert, klären wir im Überblick zum Data Lake.
Ein Data Lakehouse verwendet offene Tabellenformate auf einem Objektspeicher und gibt dem Lake damit ACID-Transaktionen (Änderungen werden vollständig oder gar nicht wirksam), Schema-Regeln beim Schreiben und nachvollziehbare Datenstände. Dadurch können SQL-Reporting, Data Science und Streaming auf einen gemeinsamen Datenbestand zugreifen. Wie die Bausteine dieser offenen Architektur zusammenspielen, zeigen wir im Überblick zum Lakehouse.
Keine der drei Architekturen ersetzt operative Datenbanken für das Tagesgeschäft. Bestellungen, Buchungen und Stammdaten entstehen weiterhin in OLTP-Systemen, also Datenbanken mit vielen kleinen Transaktionen. Alle drei Ansätze sind für analytische Verarbeitung und Auswertung vorgesehen und werden aus diesen Quellen geladen.
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Warum Data Warehouse und Data Lake unterschiedliche Anforderungen erfüllen
Data Warehouse und Data Lake wurden für unterschiedliche Anwendungsfälle entwickelt. Die klassische Data-Warehouse-Architektur entstand in den 1990er-Jahren für eine Aufgabe: verbindliche Kennzahlen aus vielen Quellsystemen, konsistent modelliert, performant abfragbar, häufig ergänzt um Data Marts als fachbereichsbezogene Ausschnitte. Der Data Lake entstand rund 15 Jahre später für eine andere Aufgabe: wachsende Datenmengen jeder Form so günstig speichern, dass Datenteams damit experimentieren können, auch wenn die späteren Analyseanforderungen noch nicht vollständig bekannt sind.
Auch die Verarbeitungslogik unterscheidet sich, im Betriebsalltag meist als ETL vs. ELT diskutiert. Im klassischen Warehouse-Umfeld wird häufig ETL eingesetzt: Daten werden transformiert, bevor sie geladen werden, damit sie bereits beim Laden dem festgelegten Datenmodell entsprechen. Im Data-Lake-Umfeld wird häufig ein ELT-Ansatz verwendet: Daten landen roh im Speicher und werden erst danach in Schichten aufbereitet. Beides sind Werkzeuge der Datenaufbereitung. Die Abgrenzung ist heute weniger eindeutig, da moderne Plattformen beide Verfahren unterstützen.
Ein dritter Unterschied liegt im Verhältnis von Speicher und Rechenleistung. Im klassischen Warehouse sind beide gekoppelt: Wachsende Datenmengen können zusätzliche Infrastruktur erforderlich machen, auch wenn die Abfragelast gleich bleibt. Lake und Lakehouse trennen die beiden Größen. Der Speicher wächst günstig im Objektspeicher, Rechenleistung wird je Workload zugeschaltet und wieder abgebaut. Die getrennte Skalierung von Speicher und Rechenleistung beeinflusst das Kostenmodell wesentlich.
Ein direkter Vergleich greift deshalb zu kurz, wenn die unterschiedlichen Zielsetzungen nicht berücksichtigt werden. Das Warehouse ist die stärkere Option bei Verlässlichkeit und Reporting-Performance. Der Lake liegt vorn bei Datenvielfalt, Kosten pro Terabyte und Freiheit für Datenteams. In der Praxis betreiben viele Unternehmen deshalb beide Systeme parallel.
Was der Parallelbetrieb kostet
Der Parallelbetrieb von Warehouse und Lake ist in gewachsenen Datenlandschaften der Normalfall. Seine Kosten verteilen sich auf mehrere technische und organisatorische Bereiche.
Datenkopien-Wildwuchs
Kunden-, Auftrags- und Produktdaten liegen als Quelle, Lake-Kopie und Warehouse-Tabelle gleichzeitig vor. Jede zusätzliche Kopie verursacht Speicher-, Entwicklungs- und Betriebsaufwand.
Versetzte Aktualisierungszyklen
Das Warehouse lädt nachts, die Lake-Kopie am Wochenende, ein Fachbereichs-Export dazwischen. Beide Teams rechnen methodisch korrekt und kommen trotzdem auf unterschiedliche Kennzahlen.
Governance-Doppelung
Berechtigungen, Löschkonzepte und Nachvollziehbarkeit existieren in zwei Rechtemodellen. Bei DSGVO-Auskunfts- oder Löschanfragen muss jede Kopie einzeln gefunden und behandelt werden.
Zuständigkeits-Overhead
Für jede neue Anforderung muss neu entschieden werden, ob sie ins Warehouse oder in den Lake gehört. Die Klärung kostet Projektzeit und verstärkt die bestehende Systemtrennung.
Der Parallelbetrieb kann auch bewusst als Teil der Zielarchitektur vorgesehen sein. Eine Kette, in der der Lake als Eingangs- und Rohdatenschicht das Warehouse speist, ist ein geordnetes Muster mit klaren Ladewegen. Probleme entstehen insbesondere dann, wenn beide Systeme unabhängig voneinander Daten laden und unterschiedliche fachliche Definitionen und Datenstände entwickeln. Auch ein geplanter Parallelbetrieb sollte regelmäßig auf unnötige Datenkopien und Betriebsaufwände geprüft werden.
Diese Bereiche sind der Maßstab, an dem sich ein dritter Architektur-Ansatz messen lassen muss. Eine Konsolidierung ist vor allem dann sinnvoll, wenn sie Datenkopien, Betriebsaufwand und Governance-Komplexität messbar reduziert.
Was macht das Lakehouse anders und was davon ist Marketing?
Ein Data Lakehouse verfolgt das Ziel, Warehouse- und Lake-Workloads auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenzuführen. Offener Objektspeicher wird dabei um Funktionen ergänzt, die verlässliches Reporting ermöglichen. Möglich machen das offene Tabellenformate, die zwischen Dateien und Abfrage-Engine eine zusätzliche Verwaltungs- und Transaktionsschicht bereitstellen.
Der Begriff wurde insbesondere durch Databricks geprägt und verbreitet. Die zugrunde liegenden Architekturprinzipien sind dokumentiert und technisch nachvollziehbar. Forscher um Michael Armbrust beschreiben das Konzept im Lakehouse-Paper der CIDR-Konferenz 2021 als offene Plattform, die Datenmanagement-Funktionen eines Warehouse direkt auf günstigem Cloud-Speicher umsetzt. Die tragenden Formate sind als Open Source verfügbar und werden von mehreren Anbietern unterstützt.
Offene Tabellenformate ergänzen einen klassischen Data Lake um drei zentrale Funktionen. Erstens ACID-Transaktionen: Schreibvorgänge werden vollständig oder gar nicht wirksam, parallele Schreib- und Lesevorgänge können konsistent verarbeitet werden. Zweitens Schema-Regeln: Nicht schema-konforme Daten können beim Schreiben abgelehnt werden. Drittens nachvollziehbare Datenstände, oft Time Travel genannt (Zugriff auf frühere Versionen einer Tabelle), was Korrekturen und Audits erleichtert. Das Delta-Lake-Projekt dokumentiert diese Eigenschaften als Transaktionsschicht über Parquet-Dateien.
Mit Apache Iceberg existiert ein zweites offenes Tabellenformat mit vergleichbarem Ziel. Welche Stärken die beiden Formate unterscheiden, vergleichen wir in den Überblicken zu Delta Lake und Iceberg.
Die Modellierungsprinzipien des Data Warehouse bleiben erhalten und werden als strukturierte Serving-Schicht umgesetzt. In einer Medallion-Architektur werden Daten schrittweise aufbereitet und strukturiert: Sie kommen roh an, werden bereinigt und integriert und stehen schließlich als geschäftsfertige Tabellen für Reporting und Self-Service bereit. Databricks beschreibt dieses Schichtenmodell mit Bronze-, Silver- und Gold-Ebene. Die Gold-Ebene übernimmt die Rolle, die bisher das Warehouse gespielt hat: modellierte, verbindliche Daten. Wie dieses Schichtenmodell entworfen wird, zeigen wir im Überblick zur Medallion-Architektur.
Technische Tabellenformate lösen jedoch weder fachliche Modellierung noch organisatorische Verantwortlichkeiten. Ein bestehender Data Lake wird nicht allein durch ein Tabellenformat zu einer verlässlichen Datenplattform.
Gleichzeitig erweitern auch Cloud Data Warehouses, im Markt auch als Modern Data Warehouse positioniert, ihre Unterstützung für offene Tabellenformate und weitere Workloads. Die funktionalen Unterschiede zwischen den Plattformansätzen werden zunehmend geringer. Entscheidend bleibt, ob offene Datenformate das zentrale Fundament der Architektur bilden oder lediglich ergänzend unterstützt werden.
Der Vergleich entlang der Entscheidungsachsen
Für die Plattformentscheidung sind strukturelle Anforderungen wichtiger als einzelne Produktfunktionen. Die folgende Tabelle vergleicht die drei Ansätze entlang der Achsen, an denen sie sich grundlegend unterscheiden.
| Aspekt | Data Warehouse | Data Lake | Lakehouse |
|---|---|---|---|
| Datenformen | strukturiert | strukturiert bis unstrukturiert, roh | strukturiert bis unstrukturiert, als Tabellen verwaltet |
| Schema-Zeitpunkt | beim Schreiben (Schema-on-Write) | beim Lesen (Schema-on-Read) | beim Schreiben, auf offenen Dateien |
| Typische Workloads | SQL-Reporting, BI | Data Science, ML, Archiv | BI, Data Science, ML und Streaming auf einer Basis |
| Konsistenz und Korrekturen | ACID, verlässliche Updates | keine Garantien auf Dateiebene | ACID über Tabellenformate |
| Formate und Offenheit | meist proprietäres Speicherformat | offene Dateiformate | offene Tabellenformate (Delta Lake, Iceberg) |
| Governance | ausgereift, aber nur für das Warehouse | nachträglich, oft lückenhaft | zentral über einen Katalog für alle Workloads |
| Typische Nutzergruppen | BI- und Reporting-Teams | Datenteams mit Engineering-Tiefe | BI-, Daten- und Streaming-Teams auf einer Basis |
| Kostenprofil | Speicher und Compute gekoppelt, hohe Kosten pro Terabyte | Speicher und Compute getrennt, günstigster Speicher | Speicher und Compute getrennt, Compute nach Bedarf |
Die Tabelle kann als Orientierung anhand des erwarteten Workload-Profils genutzt werden: Je stärker die Anforderungen über klassisches SQL-Reporting hinausgehen und je mehr Wert offene Formate für euch haben, desto eher wird eine offenere und breiter einsetzbare Architektur relevant. Beschränken sich die Anforderungen auf strukturiertes SQL-Reporting, kann ein Data Warehouse weiterhin ausreichend sein.
Wann reicht ein Data Warehouse und wann braucht es ein Lakehouse?
Aus diesen Kriterien lässt sich ein Entscheidungsraster ableiten. Dabei sollten zunächst die Fälle betrachtet werden, in denen bestehende Architekturen weiterhin ausreichend sind, denn eine Konsolidierung ist nicht in jeder Datenlandschaft notwendig.
Wann ein Data Warehouse weiterhin ausreicht
- Eure Analytik besteht aus strukturiertem Reporting und SQL-Auswertungen, und daran wird sich auf absehbare Zeit wenig ändern.
- Die Quellsysteme sind stabil und überschaubar, neue Datenformen wie Sensorik, Logs oder Texte sind nicht absehbar.
- Das bestehende Warehouse läuft verlässlich, das Modell ist gepflegt, und es bestehen keine konkret geplanten und finanzierten ML- oder Streaming-Anwendungsfälle.
In dieser Situation kann ein Plattformwechsel mehr Aufwand verursachen, als er Nutzen schafft. Sinnvoller ist es dann häufig, das bestehende Datenmodell und die Reporting-Prozesse weiterzuentwickeln.
Wann ein reiner Data Lake genügt
- Ihr sammelt große Rohdatenmengen als Archiv oder für Exploration, und der Zugriff erfolgt überwiegend durch technisch erfahrene Daten- und Engineering-Teams.
- Reporting läuft woanders und soll dort bleiben, der Data Lake dient nicht als verbindliche Grundlage für Management-Reporting.
- Kosten pro Terabyte sind das dominierende Kriterium, etwa bei Sensordaten oder langlebigen Rohdaten-Archiven.
Der Lake bleibt dann eine Speicher- und Explorationsschicht mit begrenztem Auftrag. Der vorgesehene Einsatzbereich sollte organisatorisch klar festgelegt und eingehalten werden. Andernfalls entstehen mit der Zeit zusätzliche Reporting-Anforderungen auf einer dafür nicht ausgelegten Datenbasis.
Wann das Lakehouse die richtige Wahl ist
- BI, Data Science und Streaming sollen auf dieselben Daten zugreifen, und heute werden dafür Daten regelmäßig zwischen mehreren Systemen übertragen.
- Reporting und Machine-Learning-Modelle verwenden unterschiedliche Datenstände oder Definitionen.
- Governance-Regeln sollen zentral definiert und für unterschiedliche Workloads einheitlich angewendet werden, vom Dashboard bis zum ML-Modell.
- Offene Daten- und Tabellenformate sind eine langfristige Architekturvorgabe, etwa um Abfrage-Engines wechseln zu können, ohne Daten zu migrieren.
Zusätzliche Anforderungen entstehen aktuell insbesondere durch KI-Anwendungsfälle: Sprachmodelle und RAG-Anwendungen arbeiten auf Texten, Dokumenten und Logs, also auf Datenformen, die ein klassisches Warehouse kaum sinnvoll aufnimmt. Sobald solche Use Cases mit Budget auf der Roadmap stehen, gehen die Anforderungen automatisch über klassisches SQL-Reporting hinaus.
Für eine erste Einordnung im Steering Committee gilt: Wenn eure Analytik bei strukturiertem SQL-Reporting endet, trägt ein Warehouse. Wenn nur Datenteams auf Rohdaten arbeiten, genügt ein Lake mit klarem Auftrag. Wenn mehrere Workload-Typen dieselben Daten brauchen, prüft das Lakehouse. Und wenn bestehende Datenkopien bereits zu widersprüchlichen Kennzahlen führen, sollte eine Konsolidierung ernsthaft geprüft werden.
Vom Parallelbetrieb zu einer gemeinsamen Datenbasis
Die Einführung eines Lakehouse sollte schrittweise erfolgen. Das bestehende Warehouse muss dabei nicht zu Beginn abgeschaltet werden. Ein praxistaugliches Vorgehen umfasst vier Schritte.
Bestandsaufnahme
Bestehende Datenkopien, Pipelines und Auswertungspfade zwischen Warehouse und Lake vollständig erfassen - inklusive der Frage, wer sie pflegt.
Zielarchitektur je Workload definieren
Für jeden Workload die zukünftige Zielarchitektur festlegen, denn Reporting, Data Science und Streaming haben unterschiedliche Anforderungen an Datenstände und Verfügbarkeit.
Pilot-Anwendungsfall migrieren
Einen klar abgegrenzten Anwendungsfall mit messbaren Exit-Kriterien auf die neue Datenbasis migrieren - idealerweise einen, bei dem heute unterschiedliche Datenstände oder Definitionen bereits Probleme verursachen.
Serving-Schicht schrittweise ablösen
Auf Grundlage der Pilot-Ergebnisse die Serving-Schicht schrittweise migrieren, während das Warehouse weiterläuft, bis die Ergebnisse auf der neuen Datenbasis fachlich und technisch validiert wurden.
Wie dieser Pfad im Detail geplant wird, von der Bestandsaufnahme bis zu den Abschaltkriterien für das Altsystem, zeigen wir im Leitfaden zur Migration vom Data Warehouse zum Lakehouse.
Grenzen
Der Vergleich bietet eine erste Orientierung für die Wahl der Plattformarchitektur. Einige Fragen beantwortet er grundsätzlich nicht. Diese zusätzlichen Fragen sind jedoch wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung.
Fachliche Datenmodellierung
Verbindliche Kennzahlen entstehen durch Modellierungsarbeit und klare Definitionen - diese Disziplin muss in jedem der drei Muster geleistet werden, im Lakehouse genauso wie im klassischen Warehouse.
Governance-Verantwortlichkeiten
Ein zentraler Katalog macht Berechtigungen und Nachvollziehbarkeit technisch durchsetzbar. Zuständigkeiten und Entscheidungswege können nicht allein technisch festgelegt werden.
Bestehende Datenqualität
Transaktions-Garantien ändern nichts an vorhandenen Datenqualitätsproblemen. Eine gemeinsame Datenbasis macht sie transparenter, ersetzt aber keine fachlichen und technischen Qualitätsregeln.
Neue Betriebsentscheidungen
Tabellenformat, Schichtenmodell, Katalog-Struktur und Compute-Strategie müssen entschieden und betrieben werden. Der Betrieb wird einfacher als der Parallelbetrieb zweier Systeme, ersetzt aber nicht aktives Plattform-Management.
Verträge & Kompetenzen
Laufende Warehouse-Verträge, eingespielte Berichtsstrecken und vorhandenes Team-Wissen sind reale Größen. Eine Architektur, die diese Faktoren ignoriert, lässt sich im Alltag nur schwer erfolgreich betreiben.
Trotz dieser Einschränkungen unterstützt der Vergleich eine fundierte grundsätzliche Architekturentscheidung: Er hilft dabei, Workloads, Datenkopien und Governance-Anforderungen vor der Auswahl eines Produkts zu bewerten. Die Wahl der konkreten Plattform, ob die offene Datenbasis bei Databricks, einem Cloud-Warehouse mit offenen Formaten oder einem Eigenbau liegt, sollte erst im nächsten Schritt erfolgen und fällt leichter, wenn das Muster feststeht. Offen bleibt auch die Organisationsfrage: Data Mesh ist ein Verantwortungs- und Verteilungsmuster für Datenprodukte und lässt sich mit jedem der drei Speicher-Muster kombinieren.
Sobald operative Berichte, Modelle und Compliance-Pflichten an der Plattform hängen, gehört die Entscheidung dokumentiert. Für die gewählte Architektur sollten klare Exit-Kriterien und realistische Rückbau- oder Migrationsmöglichkeiten vorgesehen werden.
Fazit
Ein Lakehouse lohnt sich, sobald mehrere Workload-Typen dieselben Daten brauchen und der Parallelbetrieb von Warehouse und Data Lake nachweisbare Kosten verursacht.
Es kann Warehouse- und Lake-Workloads auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenführen. Dabei verbindet es die Modellierungsprinzipien des Warehouse mit der Offenheit des Data Lake.
Ebenso wichtig sind die Szenarien, in denen keine Migration erforderlich ist. Reines SQL-Reporting auf stabilen Quellen rechtfertigt keinen Umbau, ein gut gepflegtes Warehouse kann diese Anforderungen weiterhin zuverlässig erfüllen. Für einen klar abgegrenzten Rohdaten- und Explorationsbereich kann ein Data Lake ausreichend sein. Die Architektur folgt dem Workload-Profil, und eine Migration sollte nur erfolgen, wenn die bestehenden Probleme und der erwartete Nutzen nachvollziehbar dokumentiert sind.
Die daraus entstehenden Kosten und Betriebsaufwände liefern häufig eine bessere Entscheidungsgrundlage als ein reiner Produktvergleich.
Die Plattformentscheidung kann dadurch anhand konkreter Anforderungen und Kosten getroffen werden. Sie wird zu einer strukturierten Bewertung der drei Architekturansätze.
Erfasst zunächst alle bestehenden Datenkopien und die zugehörigen Pipelines zwischen euren Systemen, bevor ihr über Plattformen sprecht.

Passt ein Lakehouse zu eurer Warehouse-und-Lake-Landschaft?
Ob ein Lakehouse eure Zwei-System-Landschaft vereinfacht oder zusätzliche Komplexität erzeugt, lässt sich in einem ersten Data & AI Assessment gut einordnen.
- welche eurer BI-, Data-Science- und Streaming-Workloads echte Kandidaten für eine gemeinsame Datenbasis sind
- welche Governance-, Kosten- und Betriebsrisiken vor einer Konsolidierung geprüft werden müssen
- welcher Architektur- und Migrationspfad zu euren Quellsystemen, Teams und Berichtspflichten passt
FAQ
Ein Data Warehouse speichert strukturierte, modellierte Daten für verlässliches Reporting und legt das Schema vor dem Laden fest. Ein Data Lake speichert Rohdaten jeder Form günstig im Objektspeicher, ohne Struktur zu erzwingen. Ein Lakehouse verbindet beide Ansätze: offene Tabellenformate geben dem Objektspeicher Transaktions-Garantien und Schema-Regeln, sodass BI, Data Science und Streaming auf einer gemeinsamen Datenbasis laufen.


