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Bestandskunden

Bestandskunden sind Kunden mit bestehender Geschäftsbeziehung. Definition, Abgrenzung zu Neukunden und Stammkunden, Beispiel und Kennzahlen-Bezug.

Bestandskunden sind alle Kunden eines Unternehmens, die zu einem festgelegten Stichtag (Zeitpunkt der Messung, z. B. Jahresende) bereits einmal gekauft haben und deren Kundenbeziehung noch fortbesteht. Diese Gruppe ist die Bezugsgröße für Folgeverkäufe, Zusatzverkäufe (Cross- und Upselling) sowie für alle Kennzahlen rund um Kundenbindung und Kundenverlust (Retention und Churn).

Was sind Bestandskunden?

Der Begriff Bestandskunden fasst alle Kunden zusammen, die schon einmal gekauft oder einen Vertrag abgeschlossen haben und deren Kundenbeziehung zu einem festgelegten Stichtag (Zeitpunkt der Messung) noch besteht. Er grenzt sich damit gegen Neukunden ab (Erstkauf in der laufenden Periode) und gegen Interessenten (noch kein Kauf). Der Bestand ist die Summe aller aktuellen Kunden- und Vertragsbeziehungen und damit die Basis für die meisten Kennzahlen im Vertriebs- und Marketing-Controlling (also der zahlenmäßigen Steuerung von Vertrieb und Marketing).

Die Definition ist zwingend stichtagsbezogen. Ohne einen Zeitrahmen bleibt offen, wie lange ein Kunde nach dem letzten Kauf noch zum Bestand zählt. Üblich sind im B2C zwölf bis 24 Monate nach der letzten Transaktion, im B2B die Laufzeit eines Vertrags oder Wartungsverhältnisses. Diese Grenze bestimmt, welche Kunden als aktiv, schlafend oder inaktiv gelten und beeinflusst damit direkt Kennzahlen wie Churn-Rate, Retention-Rate und Net Revenue Retention.

Bestandskunden sind betriebswirtschaftlich der Hebel für Kundenbindungs- und Wertschöpfungsstrategien. Die Kundenakquise ist regelmäßig teurer als die Bindung bestehender Kunden, weshalb die Bestandsbewirtschaftung im Vertriebscontrolling und im [analytischen CRM](/insights/glossar/analytisches-crm/) eine zentrale Rolle spielt. Auf der Datenseite hängt die belastbare Ermittlung des Bestands an einer eindeutigen Kundenidentität über Kanäle, Verträge und Systeme (CRM, ERP, Shop, Support). Ohne konsolidierte Kundendaten bleibt die Bestandsgröße eine Schätzung.

Abgrenzung: Neukunden, Stammkunden, aktive Kunden

Der Begriff steht neben vier verwandten Kategorien, die unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Kundenbasis beschreiben.

BegriffDefinitionBezug zum Bestand
NeukundenErstkauf innerhalb der Betrachtungsperiodewechseln nach Periodenende in den Bestand
Bestandskundenbestehende Geschäftsbeziehung zum StichtagGrundmenge (kumulierte Käuferbasis)
Aktive KundenBestandskunden mit Kaufaktivität im definierten ZeitfensterTeilmenge des Bestands
Stammkundenverhaltensbasierte Teilmenge mit hoher WiederkauffrequenzTeilmenge der aktiven Bestandskunden

Die Abgrenzung zu Neukunden ist trennscharf definiert: Ein Neukunde wird zum Bestandskunden, sobald die Erstkaufperiode (in der Regel das Geschäftsjahr) endet. Aktive Kunden sind eine zeitgebundene Teilmenge des Bestands, definiert über eine Kaufaktivität innerhalb eines Zeitfensters. Stammkunden beschreiben ein Verhaltensmuster (mehrfacher Wiederkauf und hohe Loyalität) und damit eine engere Teilmenge der aktiven Bestandskunden. Der umgangssprachliche Begriff Kundenstamm wird in der Fachliteratur häufig enger gefasst als Bestandskunden und meint dann nur die regelmäßig kaufenden, aktiven Kunden.

Beispiel: Bestandsstruktur eines B2B-SaaS-Anbieters

Ein B2B-SaaS-Anbieter zählt zum 1. Januar 1.200 Kunden mit aktivem Vertrag. Im Berichtsjahr kommen 220 Neuabschlüsse hinzu: 200 davon sind Neukunden im engeren Sinn (erster Vertrag mit dem Unternehmen), 20 sind reaktivierte Bestandskunden, deren letzter Vertrag mehr als 24 Monate zurücklag. Am 31. Dezember teilt sich der Bestand nach Aktivität auf:

SegmentAnzahlKriterium
aktive Bestandskunden950Kauf oder aktive Nutzung in den letzten 12 Monaten
schlafende Bestandskunden18012–24 Monate ohne Aktivität
inaktive Bestandskunden70mehr als 24 Monate ohne Aktivität

Aus dieser Struktur speisen sich mehrere Analysen. Die Retention- und Churn-Berechnung nutzt die Bestandsentwicklung gegenüber dem Vorjahresstichtag als Basis. Für die Net Revenue Retention wird die Umsatzentwicklung des am Jahresanfang bestehenden Bestands über zwölf Monate verfolgt. Kohorten- und Segmentanalysen setzen auf dieselbe Basis auf, ergänzt um Eintritts- und Aktivitätszeitpunkte. Reaktivierungskampagnen richten sich gezielt an die schlafende Teilmenge, klassische Kündigungspräventionsmaßnahmen an die aktive Basis mit erhöhtem Kündigungsrisiko.

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