Die SAP HANA Data Lake Relational Engine ist eine Datenbank für große Analyse-Datenmengen innerhalb der SAP HANA Cloud. Sie speichert Tabellen kostengünstig auf Festplatte statt im teuren Arbeitsspeicher der HANA Cloud und lässt sich weiterhin klassisch per SQL abfragen. Technisch basiert sie auf SAP IQ, einem spaltenweise organisierten Datenbanksystem (jede Spalte einer Tabelle wird zusammenhängend abgelegt, was Auswertungen über sehr breite Tabellen beschleunigt).
Was ist die SAP HANA Data Lake Relational Engine?
Die HANA Data Lake Relational Engine (kurz HDL RE) ist eine von zwei Komponenten der HANA Cloud Data Lake, dem ausgelagerten Speicherbereich der HANA Cloud für große Datenmengen. Die HDL RE übernimmt den Anteil an klassischen Datenbank-Tabellen, die per SQL abfragbar sind. Die zweite Komponente sind die HANA Data Lake Files (HDLF): ein Speicher für beliebige Dateien (Objektspeicher), etwa Parquet-, CSV- oder JSON-Dateien. Beide Bausteine werden getrennt provisioniert und getrennt abgerechnet, teilen sich aber das gemeinsame Sicherheits- und Zugriffsmodell der HANA Cloud.
Die Engine geht technisch auf SAP IQ zurück, ein spaltenorientiertes Analytics-Datenbanksystem, das SAP 2010 mit der Sybase-Übernahme in das Portfolio genommen hat. Seit dem 2019 vorgestellten HANA Cloud liegt SAP IQ als verwaltete, cloud-native Ausprägung unter dem Namen „Data Lake Relational Engine" innerhalb der HANA Cloud Data Lake. Der Betrieb erfolgt vollständig durch SAP; Kunden erhalten Endpoints, eine Verwaltungsoberfläche im SAP-BTP-Cockpit und getrenntes Sizing für Compute und Storage. Betriebssystem und Infrastruktur bleiben unzugänglich.
Der Engine-Typ ist auf lesende Analytics-Zugriffe auf große, tabellarische Datenmengen ausgelegt: hohe Kompression, spaltenweise Speicherung, effiziente Scans über breite Tabellen. Transaktionaler OLTP-Betrieb gehört nicht zum Einsatzprofil; für gemischte OLTP-/OLAP-Zugriffe auf denselben Daten ist der In-Memory Column Store der HANA Cloud vorgesehen. Der Zugriff auf HDL-RE-Tabellen läuft entweder direkt über den Endpoint der Data Lake Relational Engine oder transparent aus der HANA Cloud heraus über virtuelle Tabellen; in diesem Fall liegt der Katalog-Eintrag in HANA Cloud, während die Ausführung von Scans und Aggregationen auf dem HDL-RE-Compute stattfindet.
Der Begriff existiert als eigenständige Kategorie, weil die HANA Cloud Data Lake bewusst zweigeteilt gebaut ist. Nicht jeder Data-Lake-Zugriff braucht die Flexibilität offener Datei-Formate; viele SAP-nahen Analytics-Szenarien sind relationale Bewegungs- oder Zeitreihen. Die Trennung entkoppelt SQL-Analytics vom hauptspeicher-teuren Column Store und erlaubt eine separate Kostenbetrachtung für Warm-Analytics-Daten.
Abgrenzung: HDLF, In-Memory Column Store, SAP IQ, NSE
Die HDL Relational Engine wird häufig mit den anderen Speicherbausteinen der HANA Cloud oder mit der Ursprungs-Engine SAP IQ verwechselt. Die Unterschiede liegen in Datentyp, Betriebsmodus und Position im Stack.
| Begriff | Verhältnis zur HDL Relational Engine |
|---|---|
| HANA Data Lake Files (HDLF) | parallel liegender Objektspeicher-Layer derselben HANA Cloud Data Lake. HDLF speichert beliebige Dateien (Parquet, CSV, JSON) im Objektspeicher; HDL RE speichert relationale Tabellen im spaltenorientierten IQ-Format. Beide Komponenten sind eigenständig buchbar und werden getrennt abgerechnet |
| HANA Cloud In-Memory Column Store | heißer Speicherbereich für Tabellen im Hauptspeicher, mit gemischten OLTP-/OLAP-Zugriffen auf denselben Daten (HTAP). HDL RE ist demgegenüber ein reiner Analytics-Layer für warme Daten außerhalb des Hauptspeichers und kein HTAP-Baustein |
| SAP IQ (klassisch, on-prem) | Ursprungs-Engine als eigenständiges Produkt für Analytics-Warehouses in kundenbetriebenen Landschaften mit eigenem Lizenz- und Betriebsmodell. HDL RE ist die verwaltete Cloud-Ausprägung derselben Engine-Technologie innerhalb der HANA Cloud, ohne separaten Lizenzvertrag |
| Native Storage Extension (NSE) | Warm-Layer innerhalb der HANA-Cloud-Instanz auf Disk mit Buffer-Cache und derselben SQL-Engine wie der In-Memory Column Store. NSE verbleibt in der HANA-Datenbank, HDL RE ist ein eigener Data-Lake-Baustein mit eigenem Compute-Node und eigenem Preis-Sizing |
| HANA Cloud Data Lake (Dach-Begriff) | Klammer über beide Komponenten HDL RE und HDLF ohne eigenständige Engine. Der Dach-Begriff beschreibt das Bündel als Ganzes und bezeichnet keinen einzelnen Ausführungspfad |
Beispiel: HDL Relational Engine als Warm-Layer für Bewegungsdaten
Ein Unternehmen betreibt seine SAP-Datenplattform in der SAP Business Data Cloud. Für ein Datenprodukt mit mehrjähriger Historie liegen die aktuellen zwölf Monate Bewegungsdaten im HANA-Cloud-In-Memory-Column-Store für Reporting und operative Zugriffe. Die Vorjahresdaten (Jahr −1 bis −5) werden in die HANA Data Lake Relational Engine ausgelagert und dort als spaltenorientierte Tabellen gehalten.
Die Modellierungsschicht (SAP Datasphere) legt in HANA Cloud eine virtuelle Tabelle an, die auf die HDL-RE-Tabelle zeigt. Für die Analytics-Anwendungen darüber bleibt der Zugriff transparent: Aggregationen, Filter und Joins über die volle Historie funktionieren mit derselben SQL-Syntax. Die eigentliche Ausführung von Scans und Aggregationen läuft dabei nicht im hauptspeicher-residenten Column Store, sondern auf dem separaten HDL-RE-Compute-Node. Roh-JSON-Belege und Archiv-Dateien landen daneben in den HANA Data Lake Files derselben Data-Lake-Instanz.
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