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Joule

SAP Joule ist der KI-Copilot für S/4HANA, SuccessFactors, Ariba und die Business Data Cloud. Definition, Bausteine und Abgrenzung zu Copilot und Genie.

Joule ist der KI-Assistent von SAP für die SAP-Produktwelt. Er nimmt Fragen in normaler Sprache entgegen und übersetzt sie in Auswertungen oder Aktionen in den SAP-Anwendungen für Finanzen und Logistik (S/4HANA Cloud), Personal (SuccessFactors), Einkauf (Ariba), Reisekosten (Concur) und Berichte (SAP Analytics Cloud). Mit den Erweiterungen Joule Agents (vorgefertigte digitale Helfer für konkrete Aufgaben) und Joule Studio (Werkzeug zum Bauen eigener Helfer) ist Joule zugleich die gemeinsame Laufzeitumgebung für diese Agenten. Sie greifen auf die zentrale SAP-Datenplattform (Business Data Cloud) und ihre semantische Landkarte der Geschäftsobjekte (Knowledge Graph) zu.

Was ist Joule?

Joule ist SAPs Antwort auf die Welle von KI-Assistenten wie Microsoft Copilot, Google Duet AI oder Salesforce Einstein Copilot. Solche Copilots sind KI-gestützte Bedienhilfen direkt in einer Anwendung. SAP hat die Marke im September 2023 angekündigt und zuerst in der Personal-Software SuccessFactors und im zentralen SAP-Startportal verfügbar gemacht. Seit 2024 ist Joule schrittweise in S/4HANA Cloud (in beiden Cloud-Varianten Public und Private Edition), SAP Analytics Cloud, Ariba und Concur ausgerollt worden. Ab 2024 hat SAP das Angebot um Joule Agents (fertige KI-Helfer für konkrete Rollen) und Joule Studio (Baukasten für eigene KI-Helfer) erweitert; damit ist Joule heute zugleich Bedienoberfläche und Laufzeitumgebung für diese Agenten im SAP-Portfolio. Die frühere Marke „SAP AI Copilot" (2018 eingeführt) ist mit der Joule-Ankündigung eingestellt worden.

Technisch kombiniert Joule ein Sprachmodell mit einer SAP-spezifischen Retrieval- und Ausführungsschicht. Die Modell-Ebene kommt aus dem SAP Generative AI Hub, der mehrere Anbieter bündelt (unter anderem Azure OpenAI und Anthropic Claude über AWS Bedrock). Fragen werden gegen den SAP Knowledge Graph und die Business Data Cloud aufgelöst; Aktionen werden über SAP-APIs ausgeführt, etwa das Genehmigen einer Bestellanforderung in Ariba oder das Anlegen eines Urlaubsantrags in SuccessFactors. SAP beschreibt das Wirkungsspektrum von Joule mit dem A-Muster: Ask (Frage in natürlicher Sprache), Act (Aktion in einer SAP-Anwendung ausführen) und Advance (Optimierungen und Modellierungshilfen anbieten).

Joule besteht aus mehreren Bausteinen. Die Joule-Chat-Oberfläche ist als eingebettete Copilot-Spalte in SAP-Anwendungen sichtbar. Joule Agents sind vorgefertigte, SAP-verantwortete Agenten für konkrete Rollen und Prozesse wie Financial Accountant, Field Service Dispatcher oder Shopping Assistant. Joule Studio ist der Composer für kundeneigene Agenten mit Skill-, Prompt- und Datenprodukt-Anbindung. Der Datenanschluss läuft über die Business Data Cloud (kuratierte SAP-Datenprodukte, BDC Connect für Zero-Copy-Sharing) und den SAP Knowledge Graph, der die Geschäftsobjekte semantisch verknüpft.

Zugriff und Lizenzierung folgen einem gestaffelten Modell. Joule Base ist in bestimmten SAP-Cloud-Editionen wie SuccessFactors und S/4HANA Cloud enthalten. Erweiterte Nutzungen von Joule Agents und Joule Studio werden über AI Units abgerechnet, SAPs Verrechnungseinheit für KI-Verbrauch. Voraussetzung für die volle Wirkung ist eine SAP-Cloud-Landschaft; reine On-Premise-Bestände (klassisches SAP ERP, ältere BW-Installationen) bleiben außerhalb der Joule-Reichweite.

Abgrenzung zu Microsoft Copilot, Databricks Genie und Conversational AI

Joule wird häufig mit generischen Enterprise-Copilots, mit Databricks Genie oder mit der allgemeinen Kategorie Conversational AI in einen Topf geworfen. Die Trennlinien verlaufen entlang der Plattform-Bindung, der Aufgabenklasse und der Rolle im Stack.

BegriffAchseKernunterschied
Microsoft Copilot / Microsoft 365 CopilotPlattform-BindungMicrosoft Copilot spannt sich über die Microsoft-Produkt-Suite (Office, Teams, Dynamics, Azure) und arbeitet auf Microsoft-Graph-Daten. Joule ist das Pendant für die SAP-Suite und arbeitet auf SAP-Anwendungs- und Business-Data-Cloud-Daten. Beide Copilots decken unterschiedliche Systemwelten ab; angekündigte Interoperabilität (Joule an Microsoft-365-Copilot) verbindet die Welten, ersetzt sie aber nicht.
Databricks GenieAufgabenklasseGenie ist der Text-to-SQL- und Q&A-Copilot der Databricks Data Intelligence Platform auf Lakehouse-Daten mit Unity-Catalog-Governance. Joule ist Prozess- und Anwendungs-Copilot in SAP-Applikationen. Genie fokussiert auf Ad-hoc-Analytics auf strukturierten Lakehouse-Daten; Joule auf konversationelle Steuerung von Geschäftsprozessen und Auswertungen im SAP-Kern.
Conversational AIKategorieConversational AI bezeichnet Systeme für natürlichsprachige Dialoge in Text und Sprache. Joule fällt inhaltlich in diese Kategorie, bleibt aber auf SAP-Anwendungen und SAP-Datenmodelle spezialisiert. Die generische Chatbot-Kategorie mit Voice-Agenten für beliebige Domänen ist mit Joule nicht abgedeckt.
SAP Business Data Cloud (BDC)Stack-PositionBDC ist die Datenplattform (SAP Datasphere, SAP Analytics Cloud, BW Bridge, eingebettetes Databricks, Knowledge Graph, Datenprodukte). Joule ist die Copilot-Schicht darüber. BDC liefert die Fakten, Joule liefert die konversationelle Oberfläche und die Aktionen.
Joule Agents (vs. AI Agents generisch)AusprägungAI Agents sind allgemein Software-Systeme, die mehrstufige Aufgaben autonom mit Werkzeug- und Datenaufrufen bearbeiten. Joule Agents sind die SAP-Ausprägung: vorgefertigte Agenten für konkrete Rollen und Prozesse in SAP-Anwendungen. Kundeneigene Agenten werden im Joule Studio komponiert.

Am wichtigsten ist die Trennung zwischen Joule als Copilot-Interface und den darunter liegenden Ebenen. Joule ist weder das Sprachmodell (das kommt aus dem SAP Generative AI Hub) noch die Datenschicht (das ist die Business Data Cloud mit dem Knowledge Graph). Joule ist die konversationelle und agentische Zugangsschicht auf der SAP-Business-AI-Ebene, die diese beiden Ebenen für Nutzer erreichbar macht.

Beispiel: Joule im SAP-Anwendungsalltag

Ein Unternehmen betreibt S/4HANA Cloud für Finance und Logistik, SuccessFactors für HR und Ariba für den Einkauf. Joule ist als Copilot-Spalte in allen drei Anwendungen sichtbar und greift über den SAP Knowledge Graph auf die Business Data Cloud zu.

Ein Finanzbuchhalter fragt in Joule „Zeige die zehn größten offenen Posten mit Fälligkeit über 60 Tagen in der Region DACH". Joule löst die Frage über den Knowledge Graph gegen S/4HANA-Buchhaltungsdaten auf, führt die Abfrage im Rahmen der SAP-Berechtigungen aus und gibt eine Tabelle mit Kontext-Sprüngen (Kunde öffnen, Zahlungslauf anstoßen) zurück. Ein Joule Agent bereitet anschließend Zahlungserinnerungen als Entwurf vor, die der Buchhalter freigibt.

Eine Führungskraft fragt in Joule „Wie viele meiner direkten Mitarbeitenden haben noch offene Zielvereinbarungen für 2026?". Joule fragt SuccessFactors ab, aggregiert die Antwort und bietet die passenden Aktions-Shortcuts (Zielvereinbarung öffnen, Erinnerung senden) in derselben Konversation an. Im Einkauf löst ein Beschaffungsverantwortlicher per Joule eine Ausschreibung in Ariba aus und lässt Joule die Bewertung der Angebote gegen den Warenkorb-Katalog vorbereiten.

Die Architekturposition dahinter: Joule ist die konversationelle und agentische Oberflächen-Schicht auf der SAP-Business-AI-Ebene. Darunter liegen die SAP-Anwendungen (S/4HANA, SuccessFactors, Ariba, Concur, SAP Analytics Cloud) und die Business Data Cloud als Datenschicht mit Datenprodukten und Knowledge Graph. Die Modell-Schicht kommt aus dem SAP Generative AI Hub. Die Trennung dieser Schichten ist zentral für das Verständnis von Joule: Der Copilot ist die Schicht, die Nutzer sehen; die Wirkung entsteht durch die Kombination aus Modell, Semantik und Datenanschluss.

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