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Multi-Temperature Data Management

Multi-Temperature Data Management verteilt Daten nach Zugriff und Alter auf Hot-, Warm-, Cold-Ebenen. Definition, Klassen und Abgrenzung zu Data Tiering.

Multi-Temperature Data Management ist ein Ordnungsprinzip, das Daten nach ihrer Nutzung in Temperatur-Klassen (Hot, Warm, Cold, teils Remote) einteilt: Häufig gebrauchte Daten liegen auf schnellem, teurem Speicher, selten gebrauchte auf langsamem, günstigem Speicher. Für jede Klasse legt eine Regel (Policy) fest, wo die Daten liegen und wie darauf zugegriffen wird. Ziel ist, Antwortzeit (wie schnell eine Abfrage antwortet) und Speicherkosten getrennt zu steuern.

Was ist Multi-Temperature Data Management?

Multi-Temperature Data Management ist ein Ordnungsprinzip aus dem Data Warehousing (zentrale Datensammlung für Auswertungen). Hintergrund: In den meisten Datenbeständen wird ein kleiner Teil der Daten sehr oft abgefragt, während ältere oder selten genutzte Daten deutlich günstiger gespeichert werden können. SAP hat den Begriff mit SAP BW und später SAP BW/4HANA (deutschen Analyse-Plattformen) geprägt und ihn in SAP Datasphere und in der [SAP Business Data Cloud](/insights/sap/business-data-cloud/) als Ordnungsmerkmal übernommen.

Die kanonischen Temperatur-Klassen sind Hot, Warm, Cold und optional Remote. Hot bezeichnet Datensätze mit hoher Zugriffsfrequenz und niedriger Latenz-Toleranz; sie liegen im spaltenorientierten In-Memory-Bereich von SAP HANA Cloud. Warm sind Daten mit reduzierter Frequenz und moderater Latenz-Toleranz; die Umsetzung erfolgt über Buffer-Cache-basierte Warm-Stores wie die Native Storage Extension. Cold sind ältere oder rein archivarische Daten auf Objektspeicher wie [HANA Data Lake Files](/insights/glossar/hana-data-lake-files/), Amazon S3 oder Azure Data Lake Storage. Remote bezeichnet den föderierten Zugriff auf Daten in einer Fremdplattform ohne Kopie.

Multi-Temperature Data Management ist ein Steuerungskonzept, kein einzelnes Feature. Es kombiniert Policies (Alter, Nutzung, fachliche Regel), Partitionierung (Zeit, Fachbereich, Business-Datum), Storage-Zuordnung (Column Store, Warm-Store, Data Lake) und Zugriffspfad. Die Umsetzung unterscheidet sich pro Plattform: SAP BW/4HANA nutzt Data Tiering Optimization mit Hot-, Warm- und Cold-Stores; SAP Datasphere kennt lokale Tabellen im HANA-Cloud-Store, lokale Tabellen mit Native Storage Extension und Remote Tables gegen den HANA Data Lake. Der Begriff existiert, weil sich Storage-Kosten und Latenz-Anforderungen in modernen Datenplattformen entkoppelt haben und ein gemeinsames Vokabular für die Design-Entscheidung zwischen Dashboard-SLA, Ad-hoc-Analyse und langfristiger Historie mit regulatorischer Aufbewahrung fehlte.

Abgrenzung zu Data Tiering, Data Aging, Archivierung und Objekt-Lifecycle

Multi-Temperature Data Management wird häufig mit den technischen Bausteinen verwechselt, die eine solche Architektur umsetzen. Die Unterschiede liegen in der Steuerungsebene und im Grad der fachlichen Semantik.

BegriffVerhältnis zu Multi-Temperature Data Management
Data Tieringtechnisch-mechanischer Oberbegriff für die Verteilung von Daten auf Speicher-Ebenen anhand von Policies, plattform- und herstellerübergreifend (Databricks, Snowflake, SAP, Objektspeicher). Data Tiering beschreibt den Mechanismus, Multi-Temperature Data Management ergänzt das übergeordnete Steuerungs- und Modellierungskonzept mit expliziten Temperatur-Klassen und fachlichen Regeln
Data Aging (SAP HANA)anwendungsseitig gesteuerte Ausprägung im klassischen SAP Business Suite on HANA und in S/4HANA bis Release 1909 mit fachlichen Aging-Objekten und Residenzzeit auf ABAP-Ebene. Data Aging ist einer der Bausteine, die eine Multi-Temperature-Architektur auf der SAP-Anwendungsseite umsetzen können, keine Alternative dazu
Datenarchivierung (SAP ADK, Content Repository)verlagert Daten physisch aus der Datenbank in ein externes Archivsystem; Zugriff läuft über Archiv-Reload oder Content-Repository-APIs, die Daten sind nicht mehr SQL-adressierbar. Multi-Temperature Data Management hält die Daten dagegen in der Plattform und im Analyse-Kontext
Klassische DB-Partitionierungtechnische Aufteilung einer Tabelle in Partitionen zur Query-Performance oder zum Bulk-Load, ohne Zuordnung zu einer Temperatur-Klasse. Multi-Temperature Data Management nutzt Partitionierung als Trägertechnik und ergänzt sie um Temperatur, Storage-Layer und Policy
Objektspeicher-Lifecycle (S3 Intelligent-Tiering, Azure Blob Access Tiers)infrastrukturnahes Tiering auf Datei-/Objektebene ohne Semantik der Anwendungsdaten. In einer Multi-Temperature-Architektur ist es eine Umsetzungsvariante für die Cold-Ebene, ersetzt aber die architektonische Steuerung nicht

Beispiel: dreistufige Multi-Temperature-Policy in SAP Datasphere

Ein Datasphere-Space verwaltet Vertriebstransaktionen über zehn Geschäftsjahre. Die Multi-Temperature-Policy weist die letzten zwei Jahre als Hot aus (lokale Tabelle im spaltenorientierten Hauptspeicher von SAP HANA Cloud). Die Jahre drei bis fünf sind Warm (lokale Tabelle mit Native Storage Extension, seitenweise nachladbar über Buffer Cache). Die restlichen Jahre sind Cold (Remote Table gegen HANA Data Lake Files auf dem Objektspeicher der Business Data Cloud). Ein operatives Dashboard über das laufende Geschäftsjahr trifft nur den Hot-Layer und antwortet in Millisekunden. Eine Zehn-Jahres-Analyse aktiviert alle drei Ebenen und akzeptiert längere Antwortzeiten. Die Storage-Kosten sinken deutlich, weil der Grossteil der Datenmenge auf Objektspeicher liegt.

Architektonisch sitzt Multi-Temperature Data Management als Design-Ebene über den konkreten Storage-Techniken. Sie bestimmt, welche Daten in welche Klasse wandern, wann Promote/Demote stattfindet und wie transparent der Zugriff für die Modellierung bleibt. Ein analoges Muster findet sich in Databricks-Lakehouse-Architekturen, in denen aktuelle Delta-Tabellen durch Photon und Disk-Cache warm gehalten werden und historische Partitionen über eine Lifecycle-Policy des Objektspeichers in eine günstigere Storage-Klasse wandern.

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