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Entity Resolution auf Databricks: Wie ein Logistikkonzern globale Stammdaten konsolidiert

Entity Resolution auf Databricks: Wie ein Logistikkonzern globale Stammdaten konsolidiert

Wie ein globaler Logistikkonzern mit Vector Search und Compound AI Golden Records für Accounts, Customers, Facilities und Adressen bildet.

Lesedauer5 Min.
VeröffentlichtJuli 2026

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Bis zu 51 % Peak-Reduktion

    Dubletten in einzelnen Märkten drastisch reduziert — derselbe Standort lag zuvor in bis zu 40 unterschiedlichen Formaten vor.

  • 195+ Länder prozessiert

    Matching über Sprachen, Schreibvarianten und Erfassungsstandards hinweg — skalierbare Kandidatensuche statt unbezahlbarer Paarvergleiche.

  • Golden Records produktiv

    Accounts, Customers, Facilities und Adressen werden systemübergreifend zu belastbaren Stammdaten konsolidiert.

  • Auditierbar im Konzern

    Klassische Verfahren, semantische Embeddings und Vector Search laufen auf der bestehenden Lakehouse-Landschaft — mit durchgängiger Governance.

Zusammenfassung

Der Kunde ist ein global tätiger Logistikkonzern mit Operationen auf allen Kontinenten. Die IT-Landschaft ist historisch gewachsen: unterschiedliche Quellsysteme, unterschiedliche Geschäftseinheiten, unterschiedliche Governance-Regeln und unterschiedliche Erfassungslogiken.

Stammdaten entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: bei Sendungserfassung, Zoll- und Zustellprozessen, im Kunden- und Vertragswesen sowie in Standort- und Facility-Systemen. Über Jahre entstanden daraus Dubletten, Schreibvarianten und widersprüchliche Zuordnungen zwischen Accounts, Customers, Facilities und Adressen. „Alfredstraße", „Alfredstr" und „Alfredstrasse" sind für einen exakten Vergleich drei unterschiedliche Objekte, für ein Zustellteam derselbe Standort. Das gleiche Muster entsteht bei Kunden, Accounts und Facilities, wenn Systeme dieselbe reale Entität unterschiedlich erfassen.

Jede Bereinigung braucht Rechenleistung im Cluster-Maßstab, jede Migration erzeugt doppelte Datenbestände, jede Downstream-Analyse rechnet mit Unsicherheit an der Basis. Landesorganisationen, Geschäftseinheiten und Quellsysteme tragen jeweils eigene Ausschnitte derselben Wahrheit. Einheitliche Golden Records für Accounts, Customers, Facilities und Adressen waren deshalb Voraussetzung für belastbare Analytics, operative Prozesse und eine konsistente Sicht auf Kunden, Standorte und Lieferbeziehungen.

Übersicht

Kunde
Logistikkonzern
Anonymisierte Referenz
Branche
Logistik

Verwendete Technologien & Systeme

Apache Spark
Apache Spark
Azure Cloud
Azure Cloud
Databricks Unity Catalog
Databricks Unity Catalog
SQL Warehouse
SQL Warehouse
Databricks Delta Lake
Databricks Delta Lake
Mosaic AI
Mosaic AI
MLflow
MLflow
Die Transformation

Vom O(n²)-Vergleich zur inkrementellen Vektor-Suche.

01Ausgangssituation

Wenn Adressdaten schneller wachsen als jeder Vergleichsalgorithmus.

Adressdaten sind auf dem Papier ein banales Feld. In einem Konzern mit Präsenz in 195+ Ländern werden sie zur strukturellen Belastung. Landessprachen, Schreibvarianten, unterschiedliche Erfassungsstandards je Geschäftseinheit und fehlende Validierungsregeln erzeugten über Jahre einen Bestand, in dem derselbe Standort in bis zu 40 unterschiedlichen Formaten liegen konnte.

Die Folge im Betrieb: parallele Zustelldaten, doppelte Kundenanschriften, unklare Master-Daten für Analytics, Reporting und operative Systeme. Die Folge in der IT: jede Neubereinigung ist ein O(n²)-Problem. Bei hunderten Millionen Datensätzen wächst der Rechenbedarf so schnell, dass klassische Skalierung an eine wirtschaftliche Grenze läuft.

Regelbasierte Matcher schaffen exakte Treffer, aber keine Varianten. Fuzzy-Matching kommt bei einzelnen Sprachen mit, versagt aber an der Vielfalt globaler Datensätze. Geo-Koordinaten-Abgleiche wurden geprüft und verworfen. Sie sind global zu teuer und zu unzuverlässig für einen Bestand, in dem ein Standort in dutzenden Formaten geschrieben wird.

Solange Adressen paarweise verglichen werden, wächst der Aufwand quadratisch. In einem globalen Datenbestand ist das der Punkt, an dem klassische Verfahren die eigene Ökonomie schlagen.
Logistikkonzern: Kapitel 01
02Herausforderung

Wie ersetzt man den erschöpfenden Vergleich?

Die zentrale Frage betraf das Verfahren, nicht die Ähnlichkeitsmetrik: Wie lässt sich global deduplizieren, ohne jeden Datensatz gegen jeden zu vergleichen? Und wie geht das inkrementell und online, damit neue Daten laufend einfließen, ohne den gesamten Bestand neu zu verarbeiten?

Gemeinsam mit ruhrdot bewertete das Team die Optionen anhand konkreter Anforderungen: Matching über Sprachen, Länder und Schreibvarianten hinweg, skalierbare Kandidatensuche statt unbezahlbarer Paarvergleiche, Betrieb auf der bestehenden Cloud- und Lakehouse-Landschaft sowie Governance, die in einem internationalen Konzern auditierbar bleibt.

Die Zielarchitektur entstand als Compound-AI-System. Klassische Verfahren standardisieren und normalisieren die Stammdaten, semantische Embeddings erkennen inhaltliche Nähe über Länder, Sprachen und Schreibweisen hinweg, Vector Search reduziert den Suchraum auf relevante Kandidaten. Das finale Ranking kombiniert semantische Treffer mit TF-IDF- und Cosine-Similarity-Verfahren.

Der Durchbruch lag nicht in einem einzelnen Modell, sondern in der Architektur: deterministische Bereinigung für stabile Datenqualität, semantische Ähnlichkeit für robuste Kandidatenfindung und Vector Search für skalierbare Suche über sehr große Datenbestände.

Logistikkonzern: Kapitel 02
03Strategie

Erst das Datenmodell, dann die Pipeline.

Vor dem ersten produktiven Deployment stand die Architekturarbeit. Welche Layer braucht ein globaler Deduplizierungsprozess, damit Rohdaten, standardisierte Daten und Master-Daten sauber getrennt bleiben? Wie lässt sich Inkrementalität so verankern, dass neue Länderdatensätze angebunden werden können, ohne die Pipeline neu zu bauen?

Die Antwort war ein Medallion-Layering auf Delta Lake: Bronze für rohe Adressdaten aus den Geschäftseinheiten, Silver für standardisierte und angereicherte Daten, Gold für den deduplizierten Master-Datensatz. Standardbausteine der Databricks-Plattform, orchestriert über Lakeflow Jobs, versioniert und wiederverwendbar.

Für das Modell fiel die Entscheidung bewusst auf ein vortrainiertes multilinguales LLM. Ein eigenes Training war nicht das Ziel. Der Aufwand zahlt sich in einem globalen Adressbestand nicht aus, in dem 195+ Sprachvarianten abgedeckt werden müssen. Das Modell muss Wortformen, Umlaute, unterschiedliche Schreibsysteme und Straßenpräfixe verstehen. Das Modell muss keine neue Sprache lernen.

Auch die Wahl der Vektor-Suche fiel pragmatisch. Dedizierte Vektordatenbanken wie Pinecone, Qdrant, Weaviate und Milvus wurden geprüft, würden aber je eine eigene Infrastruktur neben dem Lakehouse bedeuten. Die Wahl fiel auf Vector Search: in die Plattform integriert, managed und ohne separaten Betrieb. Index, Serving und Governance liegen dort, wo auch die Daten liegen.

Leitprinzip: soviel Standard wie möglich, soviel Domänenlogik wie nötig. Trainiert wird der Prozess. Das Foundation Model kommt fertig aus dem Katalog.
Logistikkonzern: Kapitel 03
04Lösung

Das produktive Compound-AI-System.

In enger Zusammenarbeit mit dem Commercial-Analytics-&-AI-Team des Kunden entstand das Compound-AI-System als produktiver End-to-End-Betrieb auf Databricks. Die Bronze-Schicht nimmt die rohen Adressdatensätze auf. In Silver werden Stoppwörter, Zeichensetzung und Zustellhinweise entfernt, kategorische Varianten (etwa Städtenamen) normalisiert und die Datensätze für die Vektorbildung vorbereitet.

Ein vortrainiertes multilinguales Embedding-Modell erzeugt aus den standardisierten Stammdaten dichte Vektoren, die sprachliche, strukturelle und semantische Nähe abbilden. Für bestehende Entitätsgruppen werden Cluster-Zentroide in Vector Search gehalten. Neue Datensätze zu Accounts, Customers, Facilities oder Adressen werden per Approximate Nearest Neighbor gegen diese Zentroide gesucht. Anschließend bewertet ein TF-IDF- und Cosine-Similarity-basierter Re-Ranking-Schritt die Kandidaten erneut und filtert nur Treffer oberhalb einer definierten Ähnlichkeitsschwelle.

Das inkrementelle Design verhindert, dass der gesamte Datenbestand bei jeder Aktualisierung neu berechnet werden muss. Neue Accounts, Customers, Facilities oder Adressen werden gegen bestehende Cluster-Zentroide gesucht, passenden Golden Records zugeordnet oder als neue Entitätsgruppe registriert. Lakeflow Jobs steuern den wiederholbaren Betrieb mit Monitoring, Alerts und Retry-Logik.

Der erschöpfende Paarvergleich entfällt. Aus „Vergleiche diesen Datensatz mit hunderten Millionen Einträgen" wird „Suche die relevantesten Cluster und prüfe nur die wahrscheinlichsten Kandidaten".
Logistikkonzern: Kapitel 04
~25 %Durchschnittliche Dublettenreduktion
bis zu 51 %Peak-Reduktion in einzelnen Märkten
195+Prozessierte Länder

Zielarchitektur

Entity Resolution im Compound-AI-Lakehouse.

Stammdaten aus Geschäftseinheiten weltweit laufen über automatisierte Pipelines in eine zentrale Lakehouse-Architektur auf Databricks. Accounts, Customers, Facilities und Adressen werden nicht isoliert bereinigt, sondern als zusammenhängende Entitäten verarbeitet. Die Architektur kombiniert Medallion-Layer, semantische Kandidatensuche, skalierbare Matching-Logik und einen produktiven Betriebsrahmen über Lakeflow Jobs. Quellsysteme Databricks Data Intelligence Platform (Managed · Azure · Unity Catalog) Compound-AI-Komponenten Workloads Deployment & Betrieb: Automatisierung · Monitoring · Qualitätssicherung Lakeflow Jobs orchestrieren die wiederholbaren Verarbeitungsschritte. Delta Lake hält Zwischenstände und Golden-Record-Ergebnisse nachvollziehbar. Databricks SQL Warehouse mit Alerts überwachen Laufzeiten, Datenqualität, Reduktionsraten und Fehlerfälle im Betrieb.

Bausteine

  • Account- und Kundendaten aus CRM-, Vertrags- und operativen Systemen
  • Facility- und Standortdaten aus Netzwerk-, Zustell- und Betriebssystemen
  • Adressdaten aus Sendungs-, Zoll- und Zustellprozessen
  • Referenz- und Postdaten je Markt
  • Historische Stammdatenbestände aus Alt-Systemen und Migrationen
  • Governance: Unity Catalog · Ownership pro Datendomäne · Lineage · Audit · Zugriffskontrolle
  • Data Ingestion: Bronze (Raw) → Silver (standardisiert und harmonisiert) → Gold (konsolidierte Golden Records)
  • Foundation: Delta Lake · Apache Spark · PySpark · Azure
Platform Outcomes

Was die Plattform strukturell liefert

Skalierbare Identity Resolution statt wachsender Bereinigungskosten

Die Plattform reduziert den Suchraum intelligent, bevor Datensätze miteinander verglichen werden. Dadurch bleibt der Prozess auch bei sehr großen globalen Datenbeständen wirtschaftlich betreibbar und wächst nicht im gleichen Maß wie die Datenmenge.

Robuste Stammdatenqualität über 195+ Länder

Unterschiedliche Schreibweisen, lokale Adressformate, Sprachvarianten und länderspezifische Erfassungslogiken werden in einem einheitlichen Matching-Prozess zusammengeführt. So entsteht eine konsistentere Sicht auf Accounts, Customers, Facilities und Adressen über Länder- und Systemgrenzen hinweg.

Inkrementeller Betrieb ohne vollständigen Neuaufbau

Neue Datensätze können laufend verarbeitet und bestehenden Entitätsgruppen zugeordnet werden. Der globale Bestand muss dafür nicht vollständig neu berechnet werden. Das reduziert Laufzeit, Betriebsrisiko und Aufwand bei regelmäßigen Aktualisierungen.

Golden Records als verlässliche Datenbasis

Die Medallion-Architektur trennt Rohdaten, harmonisierte Daten und konsolidierte Golden Records klar voneinander. Downstream-Teams greifen auf eine kuratierte Gold-Schicht zu, statt eigene Bereinigungslogiken in Reporting, Analytics oder operativen Prozessen aufzubauen.

Governance und Monitoring im Regelbetrieb

Pipeline-Läufe, Reduktionsraten, Datenqualität und Fehlerfälle werden zentral überwacht. Der Deduplizierungsprozess wird damit zu einem wiederholbaren Betriebsmodell mit klaren Verantwortlichkeiten, statt ein manuelles Sonderverfahren je Land oder Migration zu bleiben.

Steuerbare Matching-Qualität je Markt und Domäne

Ähnlichkeitsschwellen können je Land, Datenqualität oder Entitätstyp angepasst werden. Dadurch bleibt der Prozess kontrollierbar und auditierbar: strenger dort, wo falsche Zusammenführungen kritisch sind, flexibler dort, wo Schreibvarianten und lokale Besonderheiten stärker ins Gewicht fallen.

Vorher / Nachher

Was sich konkret verändert hat

Vorher

Nachher

Skalierung

Bereinigung wurde mit wachsendem Datenbestand immer teurer und langsamer
Der Suchraum wird intelligent reduziert, sodass auch sehr große Stammdatenbestände wirtschaftlich verarbeitet werden können

Internationale Datenqualität

Schreibweisen, lokale Formate und länderspezifische Erfassungslogiken führten zu Dubletten und uneinheitlichen Entitäten
Ein multilingualer Matching-Prozess erkennt zusammengehörige Accounts, Customers, Facilities und Adressen über Länder- und Systemgrenzen hinweg

Betriebsmodell

Bereinigung erfolgte als aufwendiger Batch- oder Migrationsprozess
Neue Datensätze werden laufend verarbeitet und bestehenden Entitätsgruppen oder neuen Golden Records zugeordnet

Datenbasis

Bereinigungslogik war verteilt über Alt-Systeme, Länderorganisationen und einzelne Analyseprozesse
Bronze, Silver und Gold trennen Rohdaten, harmonisierte Stammdaten und konsolidierte Golden Records klar voneinander

Transparenz und Kontrolle

Qualität wurde über manuelle Auswertungen, Sonderläufe und Einzelfallprüfungen kontrolliert
Pipeline-Läufe, Reduktionsraten, Matching-Qualität und Fehlerfälle werden zentral überwacht und im Betrieb steuerbar gemacht

Nächste Schritte

Auf der Golden-Record-Basis bauen die nächsten Ausbaustufen auf

Die Identity Resolution schafft die konsolidierte Stammdatenbasis für Accounts, Customers, Facilities, Kontakte, Standorte und Adressen. Die nächsten Schritte zielen deshalb nicht auf einen Neuaufbau, sondern auf Erweiterung, Feinsteuerung und produktive Nutzung in nachgelagerten Prozessen.

1

Nächster Schritt: Weitere Quellsysteme und Attribute integrieren.

Bestehende Entitäten werden um zusätzliche Datenquellen, Attribute und fachliche Beziehungen erweitert. Dadurch verbessert sich die Golden-Record-Qualität schrittweise, ohne das Grundmuster aus Standardisierung, Kandidatensuche, Matching und Clustering neu aufzubauen.

2

In Vorbereitung: Matching-Qualität je Land und Domäne feinjustieren.

Ähnlichkeitsschwellen, Cluster-Regeln und Qualitätsmetriken werden je Land, Entitätstyp und Datenqualität nachgeschärft. So lässt sich der Prozess dort strenger steuern, wo falsche Zusammenführungen kritisch sind, und flexibler dort, wo lokale Schreibweisen oder Quellsystemlogiken mehr Varianz erzeugen.

3

Ziel: Master-Data-Services als Plattform bereitstellen.

Golden Records werden als verlässliche Datenprodukte für Analytics, Operations, Commercial und Kundenprozesse bereitgestellt. Fachbereiche greifen auf eine konsolidierte Stammdatenbasis zu, statt eigene Bereinigungslogiken in Reports, Migrationen oder operativen Anwendungen aufzubauen.

Steht ihr vor einem ähnlichen Deduplizierungsproblem?

Wenn Adressen, Kunden- oder Standortdaten in mehreren Systemen liegen, in unterschiedlichen Schreibweisen wachsen und klassische Matcher an ihre Skalierungsgrenze kommen, ist das selten ein reines Datenqualitätsproblem. Meist fehlt ein Verfahren, das semantische Nähe erkennt, sublinear arbeitet und den Bestand nicht bei jeder Änderung neu bewertet. Wir prüfen mit euch, welche Datendomänen sich zuerst konsolidieren lassen, welches Modell und welcher Vektorindex zum Volumen passen und wie ein produktiver Betrieb auf eurem Lakehouse aussieht.

Alexander Rabe
Alexander Rabe
Co-Founder · Head of Data & AI

FAQ

Häufig gestellte Fragen